Dienstag, 23. September 2014

Messgerät DT-830B mal 3



Vor einigen Jahren hatte ich mir ein preiswertes Digitalmultimeter "HILIX DT-830B"  (1) zugelegt, dass im kleinen Werkzeugkoffer meines Autos Platz finden sollte und bei dem ein paar Kratzer nicht so schmerzen, wie bei einem teuren Gerät. 

Auf der Suche nach Einbauinstrumenten für ein Netzgerät kam mir die Idee, zweckentfremdend eben solche Multimeter dafür zu nutzen. Sie werden im Netz für unter 
5 € angeboten. 
Die erste Lieferung (2)  erfolgte mit defekter Messleitung und funktionierte erst nach Tausch der im Lieferumfang enthaltenen defekten Batterie (0 V - wirklich defekt). Die Ersatzlieferung (3) funktionierte auf Anhieb , befand sich jedoch in einer anders gestalteten Verpackung. 

Nun habe ich also 3 Messgeräte mit der Bezeichnung DT-830B, die neueren ohne Markennahme HILIX, die sich äußerlich ähneln und laut Beschreibung den gleichen Funktionsumfang besitzen.
Aber man soll ja nicht nur auf Äußerlichkeiten achten. Wie sieht es denn mit den "inneren Werten" aus?

Aufgeschraubt: 




Gerät 1 - der "Altbestand"

... wurde noch überwiegend bedrahtete Bauelemente verwendet, Die Buchsen sind mit der Platine verlötet, die Stabilität der Platine wird an dieser Stelle durch eine Unterstützung in der unteren Gehäuseschale erreicht. Die 200 mA Feinsicherung ist gesteckt und somit einfach zu tauschen.


Gerät 2 - die "Erstlieferung"

... des neuen Gerätes sieht deutlich anders aus. Hier kommen überwiegend SMD-Bauteile zum Einsatz und die Platine ist kleiner. 
Die Anschlüsse für die Batterie sind nicht als solider Clip ausgeführt, sondern als zwei mit der Platine verlötete Federn, die einiges an Geduld und Fingerfertigkeit verlangen, wenn man eine Batterie einsetzen möchte, da sie nicht parallel ausgerichtet sind. Sie mussten mit Werkzeug in die richtige Position gedrückt werden, und nach mehreren Versuchen sind sie auch in dieser Position verblieben, ohne aus den Kontakten wieder raus zu flutschen. 

Die Buchsen sind verlötet, und auch hier unterstützt ein Stift in der Unterschale die Platine im Bereich der Buchsen, fühlt sich für mich jedoch deutlich instabiler an. Der Stift drück zwischen der unteren COM-Buchse und der mittleren Buchse auf die Platine. Die COM-Buchse ist somit quasi "freischwingend". Vermutlich wird dieser Teil der Platine irgendwann beim Einstecken der Messleitung abbrechen.
Die steckbare Feinsicherung hat einer verlöteten bedrahteten Sicherung - jetzt 500 mA - Platz gemacht


Gerät 3 - das "Ersatzgerät"

... hat wiederum ein anderes Innenleben. Die Platine wurde erneut verkleinert. Der Batterieanschluss ist wieder als Clip ausgeführt. 
Die Buchsen bestehen nur noch aus gebogenen Blechstreifen, die durch Gehäusestifte an ihrer Position gehalten werden. Gefühlt ist diese Konstruktion jedoch stabiler, als bei Gerät (2).


Die Feinsicherung - auf der Gehäuserückseite und in der Anleitung mit 500 mA angegeben - konnte ich jedoch nicht finden. Auch auf der Platinenrückseite keine Spur einer Sicherung. 
Evtl. ist sie als SMD-Bauteil vorhanden, ist als solche dann jedoch nicht gekennzeichnet, was den Austausch erschwert.


Apropos Sicherung: in beiden Bedienungsanleitungen der Geräte (2) und (3) steht


Wie das mit einer 500 mA Sicherung oder evtl. keiner Sicherung funktioniert, ist mir ein Rätsel.


Messungen

Zum weiteren Vergleich der Messgeräte habe ich exemplarisch eine Spannungsmessung mit Gleichspannung im 20 V Messbereich und Strommessungen mit Gleichstrom im 200 mA und 10 A Messbereich durchgeführt.

Die Genauigkeit wird bei den Messgeräten wie folgt angegeben:


Die Spannungsmessung erfolgte mit 15 V. Um keine Abweichungen durch die Messleitungen zu erhalten, wurden die Spannungsmessungen nacheinander durchgeführt. Zur Kontrolle der Spannungsstabilität habe ich ein Fluke 8800A parallel geschaltet.


Während der gesamten Messung veränderte sich der Messwert der Speisespannung nicht.

Mit welchen Abweichung zwischen realem Wert und Anzeige ist zu rechnen?

Beim Fluke 8800A werden 15 V angezeigt. Die Genauigkeit des Fluke (0,005% Input + 0,001% Range) lässt einen realen Wert von 14,99 V ... 15,01 V erwarten.

Im 20 V Messbereich der Testgeräte liegt der reale Messwert um 1,2% über oder unter dem abgelesenen Wert (rdg = reading). Zusätzlich kann bei der letzten Stelle der Anzeige der Wert um 2 Zähler (D = digit) über oder unter dem abgelesenen Wert liegen.

D.h. für abgelesene 15 V kann der  reale Wert irgendwo zwischen 14,80 V und 15,20 V liegen.


Die Anzeige von Gerät 2 weicht ab. Aber auch bei 14,91 V Anzeigewert könnte der reale Wert zwischen und 14,71 und 15,11 V liegen, was bei erwarteten 15V noch im Rahmen der Spezifikationen liegt.

Für die Strommessungen habe ich alle Geräte in Reihe geschaltet. Zur Genauigkeit sind folgende Angaben gemacht:


Messung im 200 mA Bereich:


Die Messwertinterpretation:

1: Anzeige 170,8 mA --> realer Wert: 167,2 mA ... 174,4 mA
2: Anzeige 179,1 mA --> realer Wert: 175,3 mA ... 182,9 mA
3: Anzeige 171,8 mA --> realer Wert: 168,2 mA ... 175,5 mA

Die Schnittmenge für den realen Wert ist damit schon sehr klein geworden. Die Anzeige von Gerät 2 kann man durchaus als Ausreißer betrachten. Der Dezimalpunkt ist der Anzeige auch abhanden gekommen.


Messung im 10 A Bereich:


Ein Messwertbereich, in dem Einigkeit unter den Geräten herrscht.

Fazit:

Die Messgeräte wurden leichter und billiger. Die Qualität wurde jedoch fragwürdiger. Besonders die mechanische Verarbeitung der Buchsen, die bei üblicher Nutzung stark beansprucht werden, lässt vermuten, an welcher Stelle die Geräte (2) und (3) zuerst einen Ausfall zeigen werden. Für meinen Einsatzzweck werde ich die Buchsen nicht benötigen.
Gerät 1 bleibt in der Werkzeugkiste. Ein Multimeter, das dort mehr als 10 Jahre "überlebte", hat seine Robustheit unter Beweis gestellt.


Ein unter gleicher Bezeichnung "DT-830B" vertriebenes Gerät wurde 2007 von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in der Unterlassungsverfügung (1/07, Seite 9) als gefährliches technisches Produkt aufgeführt.
Man beachte auch die Anmerkung "*) Hinweis" auf dieser Seite, die Nahe legt, sich im Zweifelsfall vor Kauf beim Händler, Importeur oder Hersteller die Nachbesserung zur Einhaltung der Produktsicherheitsrichtlinien bestätigen zu lassen.